Alles nur Marketing? Transparente Lieferkette dank Blockchain

Wir alle kennen Artikel (Artikel1, Artikel2) die besagen, dass dank der Blockchain Technologie bald transparente Lieferketten möglich sind. Dass dank der Blockchain ein Informationstracking entlang der gesamten Supplychain möglich ist. Einfach per Smartphone den QR-Code auf den Produkten im Supermarkt einscannen und Informationen zum Mastbetrieb in den Niederlanden bekommen. Was für eine Neuerung liefert die Blockchain genau? Man konnte bereits vor der Blockchain Produktinformationen per QR-Code abfragen – Was ist die Innovation? Wie kann Blockchain Kinderarbeit verhindern? Wie viel Marketing steckt dahinter? Fragen wie diese wollen wir in diesem Bericht beantworten.

QR-Code einscannen
QR-Code einscannen

Produktinformationen seit 2004 per QR Code

Ein diese Woche frisch veröffentlichter Artikel (hier) im Manager Magazin zeigt das was seit Jahren regelmäßig in den Medien publiziert wird. Artikel wie dieser berichten von Startups und Projekten, die es nun endlich ermöglichen transparente Informationen entlang der Lieferkette von Produkten zu liefern. Mit dem Smartphone soll man den QR-Code, beispielsweise von Kaffee, einscannen und anschließend Informationen zu den Kaffeebauern erhalten. Wann, wo und von wem wurde der Kaffee geerntet.

Kaffeebauern zeigen Kaffeebohnen
Kaffeebauern zeigen Kaffeebohnen

Allerdings verwendete der Handel bereits QR-Codes um Produktinformationen darzustellen, bevor es überhaupt die Blockchain und Bitcoin gab. Ein Pionier auf genau diesem Gebiet ist der japanische Lebensmittelgroßhändler Aeon, der Produktinformationen bereits seit 2004 per QR-Code zur Verfügung stellt (Quelle). Nun stellt sich die Frage was sich an Vorgang geändert hat.

Supermarkt
Supermarkt

„Wenn es bereits seit 16 Jahren möglich dem Kunden Information zu den Produkten öffentlich zugänglich zu machen liegt, dann bieten diese blockchainbasierten SupplyChain Projekte dem Kunden keine Innovation?“ Das ist richtig – zumindest wenn man sich diese Use Cases aus Kundensicht ansieht. Man scannt Produkte ein und bekommt Informationen zur Lieferkette. Diese Informationen zur Lieferkette liegen den Unternehmen schon seit jeher in den ERP– und CRM Systemen (mehrheitlich SAP, Microsoft Dynamics) vor. Möchte man verstehen was sich geändert hat und welche Innovation die Blockchain mit sich bringt muss man aus dem Auto aussteigen und die Motorhaube öffnen.

„Seit 16 Jahren keine Innovation?“

Eine Frage die man sich stellen kann

Informationen aus ERP und CRM

Bevor wir einen Blick unter die Motorhaube wagen: Die Informationen zu den Produkten und Stationen entlang der Lieferkette liegen den Unternehmen bereits vor. ERP und CRM Systeme, allen voran jene von SAP, zeichnet aus, dass man sämtliche Produkt- und Lieferanten bereits im System eingepflegt hat. Aus Sicht eines Unternehmens beispielsweise im Einzelhandel möchte man, entsprechend der Lagerhaltungspolitik, Produkte bestellen sobald diese knapp werden. Das SAP-System bestellt vollautomatisiert beim Lieferanten mit den besten Konditionen und optimaler Wiederbeschaffungszeit den entsprechenden Bedarf. Dieser Vorgang stellt sicher, dass immer ausreichend Produkte im Warensortiment vorhanden sind. Die Informationen die man dem Kunden also auf einer transparenten Lieferkette bereitstellen möchte existieren bereits entlang der Lieferkette.

Lagerhaus
Lagerhaus

Möchte man diese dem Kunden zur Verfügung stellen muss man diese lediglich aggregieren und exponieren. Diese geschieht in weiten Teilen des Handels bereits. Dies gelingt vor allem da wo man es möchte. In der Textilindustrie hat man vermutlich wenig Anreiz diese Informationen bis ins Detail zu beleuchten. Ebenso wenig Durchblick möchte man dort geben wo Kinderarbeit ins Spiel kommt. Diese ist laut dem Verein „Aktiv gegen Kinderarbeit“ besonders verbreitet in Industrien rund um Elektroschrott, Feuerwerkskörper, Goldschmuck, Textilien, Spielzeug und Schuhe.

Was ist die Innovation? (Unter der Motorhaube)

Wer sich bereits etwas mit Blockchain beschäftigt hat weiß, dass die Blockchain uns ermöglicht Daten auf einer verteilten Datenbank (Distributed Ledger) zu schreiben. Daten die früher zentral in einer Datenbank gespeichert waren sind nun auf tausenden verteilten Datenbanken gespeichert, welche alle den selben Inhalt aufweisen. In einem Szenario von zentralen Datenbanken hat der Datenbankadministrator vollen Zugriff auf die Datenbank. Er könnte somit Werte in die Datenbank schreiben, abändern oder löschen.

Motorhaube
Motorhaube

Bei einem Szenario mit verteilten Datenbanken hat der Datenbankadministrator nur Zugriff auf seine eigene Datenbank. Er hat aber keinen Zugriff auf die tausenden anderen Datenbanken. Sollte er also einen Wert in seiner Datenbank ändern wollen, würde das Konsensusprotokoll, welches in Cardano Ouroboros heißt (in diesem Video erklärt), dies erkennen und die Änderung für ungültig erklären.

Auf technischer Ebene läuft dies etwas komplexer ab, zumal nicht jeder Teilnehmer auf die Datenbank schreiben darf. Man kann also sagen, dass sobald ein Wert auf die Datenbank geschrieben wird, dieser Wert in die Datenbank zementiert wurde und nicht mehr abgeändert werden kann. Und genau hier verbirgt sich die Innovation, welche uns so sehr auf eine transparente Lieferkette hoffen lässt. Denn sobald ein Lieferant die Daten zum Produkt in einer Transaktion auf der Blockchain erfasst hat, kann man diese Transaktion und somit diese Daten nicht mehr abändern.

Fischer
Fischer

Use Case Fischindustrie (Use Case)

Ein einfaches Beispiel wäre hier ein Fischer, welcher einen Fisch gefangen hat und diesen per Smartphone auf der Blockchain erfasst. Erfasst wird Name des Fischers, GPS Daten und Uhrzeit des Fangs, Gewicht des Fisches. Sobald der Fischer die Daten erfasst hat sind diese auf der Blockchain und können nicht mehr geändert werden. Möchte der Großhändler im Nachhinein den Name des Fischers abändern da sich plötzlich herausstellt, dass Kinderarbeit im Spiel ist, ist dies nicht mehr möglich.

Eine Case Study zur transparenten Lieferkette hat Provenance erstellt. In Indonesien hat man sich mit diversen Fischereibetrieben und Behörden zusammengesetzt, um ein Konzept für eine transparente Lieferkette in der Fischindustrie auszuarbeiten.

Gefahrenpotential: Falscher „Informationszufluss“ in die Blockchain

Man kann also sagen, die Blockchain verhindert, dass Werte die entlang der Lieferkette erfasst werden im Nachhinein geändert werden können. Jedoch muss man auch realistisch genug sein um zu sagen, dass die Blockchain nicht verhindert, dass „unwahre“ Daten auf der Blockchain erfasst werden. Ein Fischer wird wohl kaum angeben, dass ein Kind den Fisch gefangen hat. Ein Diamantschürfer würde auch nicht angeben, dass die Diamanten unter Zwang geschürft wurden und somit Blutdiamanten wären.

Ein Kind beim Fischen
Ein Kind beim Fischen

Korrumpierbare NGO als Zertifizierungsstelle

Das Gefahrenpotential von unkontrollierten und manipulierten Informationszufluss in die Blockchain ist groß. Im Use Case der Fischindustrie von Provenance sorgt eine zentrale NGO für die Zertifizierung der Fischer. Es soll sichergestellt werden, dass Standards für nachhaltiges Fischen sowie Fair Trade eingehalten werden. Der Fakt, dass ein Fischer zertifiziert wird oder nicht, von einer zentralen Instanz entschieden wird, entspricht genau dem Gegenteil der Philosophie aus der die Blockchain ursprünglich entstanden ist – Dezentralisierung.

Transparency International

Abgesehen davon, dass selbst Organisationen in Industrienationen anfällig für Korruption sind, steht eine NGO in einem Entwicklungsland wie Indonesien nicht für „Trust“. Indonesien rangierte 2019 laut Transparency International auf Platz 85 der korruptesten Länder der Welt, hinter Senegal (66) und Ghana (80).

Es könnte sich ein System etablieren, in welchem von NGO zertifizierte Rohstofflieferanten (Fischer, Landwirte, Schürfer) Rohstoffe von nicht zertifizierten Rohstofflieferanten auf der Blockchain registrieren. Ein solches System ist äußerst schwer zu verhindern und aufzudecken, denn in Armut versucht man mit allen Mitteln die einem zur Verfügung stehen seine Familie zu ernähren.

Manipulierbare Sensoren

Nicht nur Menschen können beeinflusst werden um Daten auf die Blockchain zu schreiben. Es ist auch möglich, Sensoren in Kühltransportern oder Kühlboxen so zu präparieren, dass diese während der Lebensmittellieferung oder der Medikamententransporte eine passende Temperatur zurückmelden. So toll die Blockchain Technologie auch ist verhindert diese leider nicht, dass „unwahre“ Daten auf der Blockchain landen.

Konsensusalgorithmus umgehen

Vollständigkeitshalber sei hier erwähnt, dass es in der Praxis Attacken gibt, welche versuchen den Konsensusalgorithmus zu umgehen. Hier sei die 51% Attacke genannt, welche versucht die Mehrheit der Nodes auf denen die Blockchain läuft unter ihre Kontrolle zu bekommen und damit zu sorgen, dass der Konsensusalgorithmus die manipulativen Änderungen in den Datenbanken absegnet.

IBM Food Trust

Die Lösung vom internationalen Technikgiganten IBM nennt sich IBM Food Trust und versucht ein Netzwerk zu schaffen, das Teilnehmer im Bereich Nahrungsmittelversorgung über eine genehmigungsbasierte und dauerhafte Aufzeichnung von Daten untereinander verbindet. Zeil ist es Verschwendung zu reduzieren, eine verbesserte Marktreputation sowie ein direkter Einfluss aufs Geschäftsergebnis.

IBM Food Trust (Demo)
IBM Food Trust (Demo)

Kann Blockchain Kinderarbeit und Blutdiamanten verhindern?

Die Antwort auf diese Frage ist nein. Die Blockchain alleine ist nicht in der Lage Kinderarbeit oder Blutdiamanten zu verhindern. Die Blockchain ist vielmehr ein Instrument um den Kampf gegen unlautere Praktiken zu unterstützen. Die Technologie verhindert, wie oben beschrieben, keinen unwahren bzw. falschen Informationszufluss. Vielmehr ermöglicht sie, dass Daten entlang der Supply Chain nicht manipuliert werden. In der Praxis ist es sehr schwierig zu kontrollieren, ob Rohstofflieferanten auf Kinderarbeit oder Blutdiamanten zurück greifen. Selbst Betriebe die regelmäßig auf westliche Standards wie Fair Trade überprüft werden, könnten auf Rohstoffe anderer Zulieferer zugreifen, welche sich nicht an die Standards halten.

Alles nur Marketing?

Nun stellt sich die Frage, ob hinter all den Berichten und Erfolgsmeldungen nur Marketing steckt. Haben die internationalen Top Unternehmen das Thema Blockchain genutzt um Greenwashing zu betreiben oder haben sie tatsächlich Lösungen geliefert, welche die bekannten Unsicherheiten im Informationszufluss lösen. Können diese Projekte unterscheiden, ob ein Fisch von einem Kind gefangen wurde? Aktuell gibt es laut unserer Recherche noch kein Projekt welches dazu in der Lage ist. Viele der Projekte und Startups gehen auffallend oberflächlich an diese Thematik ran.

Kinderarbeit
Kinderarbeit

Eine Lösung wie man sicherstellt, dass einzelne Fische bzw. Diamanten nicht von Kindern gefangen oder geschürft werden hat man hier noch nicht gefunden. Es liegt also nahe zu sagen, dass zwar viele Projekte ernsthaft an einer transparenten Lieferkette arbeiten, aber einige die komplexe Technologie auch ausnutzen um einen gewissen Greenwashing-Effekt zu erzeugen.

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